Eigentlich wäre diese Ich-hasse-Zugfahren-Nummer ja komplett ausgereizt gewesen, wenn ich nicht gestern wieder hätte Zugfahren müssen. Gestern hat sich mal wieder klar bewiesen: Schlimmer geht immer. Und zwar so:
Nur um nicht über Hamm fahren zu müssen stehe ich etwa eineinhalb Stunden früher am Bahnhof (Leute, VOR 7 h! Igitt!) und nehme den Zug über Unna. Dieses Unna, welches, wie der Kenner weiß, nicht einen Deut besser zu sein scheint als Hamm, aber durch die Nähe zum Ruhrgebiet mit einem einigermaßen sympathischen Dialekt zu punkten vermag. Außerdem muss man in Unna auf dem Bahnhof nicht hin- und herhetzen. Man bleibt einfach auf dem Bahnsteig stehen und wartet. Man muss sich nicht mal umdrehen dabei. Dreht man sich aber doch um, bemerkt man, dass der Unnaer Bahnhof genau 4 Gleise hat: 2, 4, 1 und…18. What the heck??! Aber egal. Bemerkenswert ist am Unnaer Bahnhof an diesem Morgen lediglich die Tatsache, dass fürsorgliche Mitwartende ein paar Inseln aus Rotz um die Wartebänke erschaffen haben, auf denen auch noch ein paar Kippenfilter gestrandet sind. Wirklich ekelig, der Anblick, und hätte ich nicht mein Datenkabel zu Hause liegenlassen, gäbe es nun hier ein anschauliches Bild davon. So seid ihr nun davongekommen und ich nicht. Naja, ich und der Opi, der angeschlurft kam, als ich es gerade geschafft hatte, meinen Koffer nicht in der Rotze zu parken. Der setzt sich dahin, pflanzt seinen Schuh seelenruhig in die eine Rotzeinsel, seinen Jutebeutel in die andere und klappt seine Zeitung aus.
Im RE7 habe ich um kurz nach 7 schon das erste Mal das Vergnügen mit den Herren 50ct und Nelly, oder weiß der Teufel, von wem dieses infernalische Geplärre aus des Ruhrpottjugendlichen Handy stammt. Mir gegenüber sitzt eine Frau, die im Schlafe ihre Schneidezähne zeigt, dabei aussieht wie ein Hamster und die ihre Tasche so ungünstig unter dem Sitz deponiert hat, dass die Mademoiselle nur äußerst x-beinig und kreuzbandschädlich sitzen kann. Außerdem piekst mich irgendwas an äußerst sensibler und in der Öffentlichkeit unkontrollierbarer Stelle.
Irgendwann kann ich den Sitz wechseln und ergattere eine Sitzgelegenheit mit Beinfreiheit und Möglichkeit den Koffer in Sichtnähe unterzubringen. Wunderbar. Beim Wechseln des Sitzplatzes bemerke ich, dass das, was mich die ganze Zeit so unangenehm gepiekst hat, der Bügel meines BHs ist, der sich auf Abwege begeben hat. Also sitze ich mit Beinfreiheit, dafür aber einem Mops auf Halbmast in meinem neuen Sitz und freue mich über den schönen Morgen.
Zwei oder drei Stationen später steigt eine sympathische Kleinfamilie zu und wählt, ihr ahnt es sicher schon, genau mich als Sitznachbarin. Wieder eine Station später werden innerhalb der sympathischen Kleinfamilie, die Sitze getauscht, so dass das kleine Mädchen, was mir gegenübersaß, nun neben mir sitzt. 20 Minuten darauf frage ich mich, warum ausgerechnet ich neben dem einzigen reisekranken Kind im ganzen Zug sitzen muss, welches zudem auch gerade noch, eindrucksvoll leidend, in eine Karstadttüte würgt. Das arme Kind! Und arme Mademoiselle, denn eines der Dinge, die bei ihr sofort zu spontaner prä-eruptiver Speichelansammlung führen, sind Würge- und Plätschergeräusche.
Ach Kinners, was soll ich noch sagen??
Ich freu mich schon auf die Rückfahrt am Donnerstag.