Alter Vatter!

Wie der Westfale so sagt. Also, passt op:

Mademoiselle hat den langen und beschwerlichen Weg von etwa 8 Minuten zu Fuß auf sich genommen, um sich Jessy Martens anzuhören. Jetzt bleiben etwa drei Fragen offen:

Werden meine Ohren sich wieder erholen? (ja, vermutlich)

Wie kann so eine Stimme aus so einer kleinen Person herauskommen? Wie??

Wie kann diese kleine Person gleichzeitig diese Stimme aus sich herausschleudern, dabei wie eine Naturgewalt über Bühne, Theke und Tresen eruptieren und den an sich tanzfaulen Westfalen dazu bringen, die Beine in einer Art Takt zu bewegen? Wie??

Welchen Zahnarzt hat der Gitarrist? Es muss ein guter sein, denn ich habe zum ersten Mal allen Ernstes jemanden seine Gitarre mit den Zähnen spielen sehen und jetzt echt mal: Das hat sich auch noch geil angehört.

  

 Liebe Leute: Hingehen, wenn die Dame unterwegs ist! Solche Leute verdienen mehr Publikum, mehr Geld, mehr Aufmerksamkeit.

Lieber Gelegenheits-Stalker,

wie schön, dass Du es wieder einmal mehr geschafft hast, mir den Abend zu verderben. Beinahe bewundernswert, die Aufmerksamkeit, die Du mir seit langer Zeit in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder widmest. Ebenso wie Deine Fähigkeit, zu ignorieren, dass ich Dich weder sexy, noch interessant oder unterhaltsam finde. Virtuos die Wortwahl in der Beschreibung Deiner körperlichen Vorzüge, die Du, lieber M., natürlich ganz im Gegensatz zu meinem Begleiter im sprichwörtlichen Übermaße hast und auch besser einzusetzen weißt, als mein Begleiter es selbst unter Zuhilfenahme einer detaillierten piktographischen Anleitung jemals könnte. Wie dumm von mir, das nicht nutzen zu wollen, wo ich doch derart unzufrieden mit den mir durch den minderbestückten und unbegabten Begleiter angebotenen sexuellen Handlungen erscheine. Die Minderbestückung meines Begleiters hast Du, lieber M., in Deiner unnachahmlich zurückhaltenden Art natürlich auf der Herrentoilette recherchiert, wo Du ihm am Pissoir auf den Löres geschielt hast. Danke auch dafür, immerhin kenne ich meinen Begleiter noch nicht so gut, als dass Du mir jetzt nicht eine Information voraus hättest! Und, ja natürlich, das sieht man mir förmlich an, dass ich nach der Erfüllung jeglicher Wünsche, von denen ich nicht einmal weiß, dass ich sie hegen mag, durch jemanden der wirklich etwas davon versteht, geradezu dürste!

Apropos dürste: Nein, ich nehme auch beim hundertdrölfzigsten Mal keinen Sekt, keinen Prosecco, kein Bier, keinen Cocktail, keine Cola, keinen Saft, kein Wasser oder sonstirgendetwas, was an irgendeiner Theke in irgendeiner Kneipe, Tanzlokalität oder Dönerbude in diesem viel zu kleinen Universum bestellt werden könnte von Dir an. Wie jedes Mal werde ich das mir unaufgefordert überreichte Getränk an den nächstbesten mir unbekannten Menschen weiterreichen, es zurückgeben, stehenlassen oder wegschütten. Wenn Du das Geld, das Du bereits in diese zahlreichen Getränke investiert hast, vor meinen Augen verbrennen würdest, würdest Du mir eine größere Freude machen. Allerdings würde diese Freude von dem Umstand getrübt, Dich überhaupt in meiner Nähe zu wissen.

Apropos Freude: Eine große Freude macht es mir immer, zu sehen, dass Du Dich auch mit anderen Frauen unterhältst, immerhin gibt das Anlass zu der Hoffnung, dass Dich irgendwann einmal eine von denen erhört und ich dann meine Ruhe habe. Am liebsten würde ich dann zu der betreffenden Person gehen und ihr erzählen, wie aufmerksam und großzügig Du bist, aber ich habe zuviel Angst, dass Du das zum Anlass nehmen könntest, zu glauben, ich würde mich tatsächlich und in Wirklichkeit doch für Dich interessieren.

In diesem Sinne: Alleiniges Waidmannsheil und eine baldige Hochzeit und viele Kinderlein!

Eine kleine Übung in Friedfertigkeit

Für diejenigen, denen es noch an der passenden Feiertagsstimmung mangelt, habe ich nun folgenden im Selbstversuch erprobten Ratschlag:

Besucht doch einmal die Postfiliale eures Vertrauens.

Gut: In meinem Fall wäre das normalerweise gar keine, heute aber mal die örtliche nächstgelegene Station der gehörnten Bitternis in Gelb. Ich wollte nicht viel, man wird ja genügsam. Umschläge jeder Art, Paketband oder gar Klebeband habe ich mir angewöhnt, an nicht ganz so düsteren Orten wie einer deutschen Postfiliale zu erstehen, statt dessen vertraute ich auf die Kernkompetenzen der Post: Briefmarken und Päckchen. Und ich wollte Versandtaschen. Eine. Drei wären auch ok gewesen, aber es gab … keine. Auch keine XS Päckchen. Blieben noch Briefmarken. Drei für den Standardbrief in Deutschland, eine für Standardbrief nach UK, Portoaufkleber für Bücherversand und eine Großbriefbriefmarke. Nach einer weiteren, unnütz in einer Warteschlange vergeudeten halben Stunde Lebenszeit trat ich also mit der wohlformulierten Bitte um Briefmarken, “drei 55er, eine 70er, eine 145er, einmal Bücherversand für 0,85€, bitte” an den Schalter. Was ich bekam, außer der inkompetenten Performanz eines missgelaunten Mitarbeiters? Eine 145er Briefmarke und

“Dat andere weiß ich gaa nich, ob ich dat hap.” Kurzer Blick in die Schublade “Nee, happich wohl nicht. MüssenSe am Automaten ziehen gehen”

Aha. Für genau die Antwort habe ich eine halbe Stunde angestanden, aber man ist ja hartnäckig und versucht nun, auch den unmotiviertesten aller Hüter der Briefmarken zu einer Serviceleistung zu bewegen, also sage ich: “Nunja, wäre es denn möglich, dass Sie mal nachschauen gehen, ob eventuell woanders noch welche sind, ich habe nämlich kein Kleingeld für den Automaten, außerd..”

“Happich doch gesacht, dattich dat nich happ!”

Sachichdoch. Eine bessere Gelegenheit, um sich in Liebe und Friedfertigkeit zu üben gibt’s wohl nicht, so kurz vor Weihnachten. Es sei denn, ihr macht Geschenke, die man bei I.KEA kaufen muss, aber das ist ja jetzt wieder eine andere Geschichte.