Mal so, mal so

grade aber so: Mal gewinnt man, mal verliert man.

Manchmal auch beides zeitgleich, bloß an unterschiedlichen Stellen. Da ist das schon praktisch, wenn eins das andere aufhebt und der Verlust sich im Nachhinein nicht als Verlust, sondern als Befreiung darstellt und der Gewinn sich gleichbleibend gut anfühlt und auf dem Weg zum noch besser anfühlen ist.

Klartext?

Von einer langjährigen Freundin verabschiedet, wegen, wie das in der Promi-Ehescheidungsvermeldungswelt so schön heißt, unüberbrückbarer Differenzen.  Dafür, und das ohne jeglichen Zusammenhang, entsteht an anderer Stelle eine sehr schöne und sich gut anfühlende Situation mit jemandem, der sich gut anfühlt, einfügt, für sich alleine steht ohne einen alleine stehen zu lassen, aber nichts Genaues weiß man noch nicht.

Also, ist das jetzt Win-Win oder nicht?

Tschüss und nicht Auf Wiedersehen!

Mademoiselle ist dieser Tage etwas außer sich.

Nach langer Zeit, naja, verhältnismäßig langer Zeit, des Schreibens erfolgloser Bewerbungen an Firmen, deren Vorstellung der perfekten neuen Mitarbeiterin sich zwischen Wonderwoman (kann alles) und Mutter Theresa (macht alles kostenfrei) bewegten, polterte der Mademoiselle letzten Donnerstag ein komplettes Gebirge (nein, ich weiß nicht, welches) vom Herzen, als sie erfahren hat, dass die Firma, für die sie auf Stundenbasis schon arbeitet, sie gerne als feste Mitarbeiterin vertraglich binden möchte.

Deswegen war es ihr auch ganz recht, als am nächsten Tag eine weitere Absage eintrudelte, deren zweizeilig gehaltener Text sie sonst aus der Haut hätte fahren lassen. Man muss einen Arbeitssuchenden nicht unbedingt darüber belehren, dass eine ausgeschriebene Stelle nur einmal besetzt werden kann und man deswegen nicht bei der Auswahl berücksichtigt wurde. Liebe Personalchefs der sozialen Berufe, die gerne so tun, als seien sie so cool wie die in der freien Wirtschaft: Das.geht.gar.nicht! Man ist nicht blöd, wenn man eine Bewerbung schreibt, man hat nur keinen Job. Soviel mal dazu.

Ebenso adieu ihr supercoolen Werbeagenturen, die ihr frisches, unverbrauchtes, junges Denkgemüse auf den Teller wollt, ihr Verlage, die ihr promovierte Absolventen mit Kenntnissen in InDesign, Adobe, QuarkExpress, drei Fremdsprachen und absolvierten Auslandspraktika als Volontäre für 500 Euro brutto monatlich beschäftigen wollt, ihr drei-Mann-Betriebe, die das studierte Mädchen für alles sucht, ihr Promiportale, die ihr Mitarbeiter mit Anspruch für Texte ohne Anspruch sucht, ihr Behörden, ihr Personalagenturen… Adieu!

Adieu auch Du finanzielle Schieflage, Auf Wiedersehen Existenzminimum (nur rhetorisch jetzt, is klar, oder?!) und Hasta La Vista Arbeitsamt.

Wenn ich fertig bin mit freuen, bin ich wieder da. Versprochen.

Ich weiß.

Ich weiß, dass du deine Pizza immer in acht Stücke schneidest um sie mit der Hand essen zu können und dann von den letzten drei Stücken den Rand liegen lässt. Immer. Ich weiß, dass Du kein Lieblingsgemüse hast und deine Kaugummis im Kühlschrank lagerst. Ich weiß, dass du immer Gummibärchen und Cola da hast, für den Fall, dass es dir nicht gut geht. Ich weiß, dass du lieber Nudelsalat magst, egal wie gut der Kartoffelsalat ist. Ich weiß wie deine Füße aussehen, ich weiß wie deine Hände sich anfühlen, ich weiß, dass du bei der Hitze der letzten Tage das Gefühl hattest zu verglühen. Ich weiß wie du aussiehst, wenn du schläfst, ich weiß wie deine Oberlippe aussieht, jederzeit. Ich weiß, dass deine Stimme eine andere Farbe annimmt, wenn du mit mir sprichst. Ich weiß um deinemeine Angst, deinemeine Freiheit einzubüßen. Ich kenne den Leberfleck auf deinem linken Unterarm, auswendig, ich weiß woher die kleine Narbe auf deiner Stirn stammt. Ich weiß, wie du deine Zigarette hältst. Ich weiß, dass du denkst, dass ich für eine Nichtraucherin zu viel rauche. Ich weiß um dein inneres Kind, ich mag, dass du keine Hemmungen hast, vor mir zu singen. Ich weiß, dass du es lieben würdest, wenn ich dir vorlesen würde. Ich weiß, dass du denkst, dass ich störrisch bin und es dir nichts ausmacht, weil du weißt, dass ich weiß. Ich weiß, dass du weißt, dass ich nicht perfekt bin und ich weiß, dass du mich nicht so haben willst, wie ich nicht bin. Ich weiß, dass du nicht ans Telefon gehst, wenn du keine Lust hast, mit irgendwem zu reden, auch mit mir nicht und ich weiß, dass ich es mag, wie du dir deinen Raum bewahrst, ohne mir zu unterstellen, ich würde ihn verkleinern wollen. Ich weiß, dass du bist wie du bist und ich weiß, dass ich dich nicht anders würde haben wollen. Ich denke, dass du weißt. Ich weiß, dass du nicht bist, wie ich früher immer dachte. Ich weiß, dass du weißt, dass ich weiß. Ich weiß, dass du die Spielregeln kennst. Ich weiß wie Du riechst. Ich weiß nicht wie Du schmeckst. Ich weiß wie dein Dreitagebart sich anfühlt, ich weiß nicht, wie es ist ihn zu fühlen. Ich weiß, dass wir beide wünschen, Verbundenheit möge befreien. Ich weiß, dass ich weiß.

Ich weiß nichts.