Unn? Wie iset Dir heute so?

Heute gilt es den Tag der Muttersprache zu begehen. Der ist nicht so spektakulär wie der Valentinstag, Weihnachten, der Towel Day, Buß- und Bettag, Ostern (wobei für mich Ostern immer spektakulär ist, weil ich an einem Karfreitag geboren wurde und vor ein paar Jahren darüber aufgeklärt wurde, wie saucool das ist, weil ich ja jedes Jahr Ostern Geburtstag habe. Ok, da hat jemand das mit den beweglichen Feiertagen nicht so ganz auf der Pfanne gehabt, aber … Bingo! Spektakulärzienhase!) oder gar der 11.11.

Der Tag der Muttersprache also. Warum sollte man auf sowas Langweiliges hinweisen und aufmerksam machen, oder vielmehr: Warum mache ich das?

Ganz einfach. Deswegen. Und deswegen. Und natürlich weil ich meine Magisterarbeit über Minderheitensprachen in Deutschland geschrieben habe und Einblicke bekommen habe, wie viel die Muttersprache zur kulturellen Identität beiträgt, wie enorm wichtig die kulturelle Identität immer und immer wieder ist und immer bleiben wird. Das ist einzusehen, oder? Deswegen also. Und deswegen. Deswegen auch. Darum. Und wegen diesem hier sowieso.

Klar soweit?

 

 

Scholli sucht den Super-Narren

Ich muss Abbitte leisten bei meinem Buchbeschmierer von letzter Woche. Ich war tatsächlich so vermessen, zu glauben, dass das, was der da ins Buch gekritzelt hatte, wirklich von absolutem Nulpentum zeuge. Bis ich heute ein Buch abholte, das ich über die Fernleihe aus der Unibib in Duisburg bekommen habe. Ein einführendes (keine doofen Witze an dieser Stelle, ja!) Standardwerk zum Thema Sprachplanung, in englischer Sprache verfasst. (Kaplan & Baldauf: Language Planning: from practice to theory. Clevedon: Multilingual Matters, 1997. Für diejenigen, die sich für sowas interessieren). Ein Buch, in dem verschiedene Ansätze der Sprachplanung vergleichend und ergänzend vorstellt werden und dabei von Praxisbeispielen über verschiedene Modelle hin zur Theorie vorgegangen wird. Sehr gut. Genau das richtige Buch für meine Zwecke, und weil ich die bibliographische Angabe in so vielen anderen Texten schon gefunden habe und weiß, dass es immer wieder Vollpfosten gibt (ja, auch in der Wissenschaft), die einen Text missverstehen und/oder sich ihre eigenen komischen Theorien zurechtbasteln, die solange ganz naja, nachvollziehbar klingen, bis man den Quellentext gelesen hat, dachte ich: Bestellste den Schinken mal und überprüfst die Quellen. Heute konnte ich das Ding dann abholen. Zu Hause schlage ich den Band voller Vorfreude (jawirklich!!) auf und sehe: Vollgeschmiert! Mit Bleistift. Und WAS da reingekritzelt war. Mich hat der Schlag getroffen. Kleines Beispiel?

“A state must have a language(s) in which it can communicate with its citizens.” Notiz dazu: ein Land muss eine oder mehrere Sprachen haben, damit sich die Bevölkerung verständigen kann. Grade in vielsprachigen Ländern ist es wichtig, eine Sprache zu haben, in der sich ALLE verständigen können.

Ja, nee. Is klar.

Auf der nächsten Seite, ohne erkennbare Zuordnung zum Text: es ist schwer, eine nationalsprache auszuwählen, weil es viele verschiedene Sprachen gibt.

Ja, ei, wer hätte das gedacht?! NEEEEIIIIIIN! Ich brech ins Essen! Jetzt muss ich 300 Seiten lang diese Scheiße mitlesen! Kann doch nicht, oder? Es ist, als hätte ich Chomsky ausgeliehen und Sick hätte reingekritzelt. Nee, echt. Und Kirsten, Du hattest absolut Recht: Narrenhände beschmieren Buch und Wände. Da gibt’s nichts mehr hinzuzufügen.