Magister, Magister

Huch! Eine neue Seite bei Mademoiselle Scholli!

Genau. Die Magisterseite.

Ich will euch nicht mit langweiligen Berichten über Fortschritte beim Verfassen der Magisterarbeit, deren Thema übrigens

Sprachmanagement in Deutschland am Beispiel von Friesisch und Romanes

ist, langweilen. Deswegen diese Seite, die ich ab und an mal aktualisieren werde.

Diejenigen, die sich für Linguistik im Allgemeinen, Soziolinguistik im Speziellen und Sprachplanung, Sprachpolitik und Sprachmanagement im Zusammenhang mit Regional- und Minderheitensprachen im noch Spezielleren interessieren, die können ja hier schauen, ob es was neues gibt.

Viele glauben ja, Linguistik sei was für Langweiler, verkappte Mathematiker, die zu doof zum Rechnen sind und überhaupt eine angestaubte Nebendisziplin von Philosophie, Mathematik, Psychologie, Soziologie und noch ein paar anderen Wissenschaften wie Medizin, Neurologie und zudem nur ein unbequemes Anhängsel der Einzelphilologien. Da ich selber auch noch zwei Philologien studiere, weiß ich wohl ganz gut, wie schlimm das ist, wenn man da sitzen muss und Theorien und Modelle der Linguistik über sich ergehen lassen muss, die hauptsächlich durch den anglo-amerikanischen Sprachraum geprägt wurden. Laaaangweilig! Transformationsgrammatiken, Relationsgrammatik, Kognitive Grammatik, Generative Grammatik, Government&Binding und X-Bar. Alles schon gehört. Muss alles sein. Muss man wissen. Man wird doch wohl noch so zum Spaß eine Grammatik lesen dürfen, oder? Naja. Kleiner Scherz.

Weil ich nun aber ein vielseitig interessierter Mensch bin, schreibe ich meine Abschlussarbeit über ein Thema, in dem so ein bisschen von allem steckt: Linguistik natürlich zuerst, Soziologie, Jura, Politologie, Ökonomie, Psychologie, eben von jedem etwas. Und das beste ist: Das ist keine Forschung im luftleeren Raum, sondern angewandte Wissenschaft. Sie bietet, so stelle ich mir zumindest das Ergebnis meiner Arbeit vor, Instrumente und Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung bedrohter Sprachen an und leistet damit auch einen Beitrag zu unserer kulturellen Vielfalt. Sprache als eins der grundlegenden Elemente kulturellen Austausches muss geschützt und bewahrt werden.

So. Genuch geschwafelt. Fragen dazu beantworte ich gerne, für Anregungen, Vorschläge oder Hilfestellung bin ich sehr dankbar. Spricht zum Beispiel jemand von euch Friesisch oder Romanes oder kennt jemanden, der das tut? Oder kennt jemand von euch noch Literatur, die ich unbedingt noch brauche, sozusagen die Musthaves des language managements in der Makroebene? Scheut euch nicht, mir zu mailen.

  1. 2009 Januar 16

    Oh mein Gott, macht man diese Generative Transformationsgrammtik eigentlich immer noch? Ich hab neulich versucht, einer Kollegin zu erklären, wie das geht – da kamen Bilder wieder hoch, die ich lange verdrängt geglaubt hatte…

  2. 2009 Januar 16
    Scholli Permalink

    Ja aber klar doch! Immer ein unausweichlicher Bestandteil des Sprachenstudiums. Grauenhaft! Aber lass mich raten: du sahst Bäumchen.

  3. 2009 Juli 2

    Manch einer sieht gar den Wald vor lauter Bäumchen nicht …

  4. 2009 Juli 3
    Scholli Permalink

    Da muss man schon auf die Struktur achten! ;-)

  5. 2009 Juli 21
    wilfried Permalink

    Heute sagte in der Therapie eine von Aphasie geplagte Dame: „Mann hacken Wald.“ – Wald,Bäume – ist doch eh alles Holz. Ja, aber die Generativisten – früher schnitten sie ihre Bäume wenigstens noch – tree pruning hiess das. Heute dürfen die Bäume nur noch constraint – konform wachsen (oder so) – der Triumpf des Neoliberalismus in der Syntaxtheorie, sozusagen.

    Andererseits gibt es Zeichen der Hoffnung. Ist nicht Pinkers „Stuff of Thought“ ein schönes Beispiel, wie man (fast) zum rechten Glauben finden kann, ohne Busse zu tun? (Man muss sich nur einbilden, man hätte ihn selbst erfunden …)

    Soweit ich vorne gesehen habe, gibt es Gründe zum Gratulieren – also: herzlichen Glückwunsch zum MA. – Und alles Gute for the time to come.

  6. 2009 Juli 22
    Scholli Permalink

    wilfried, ich muss gestehen, dass ich sowohl die komplette Syntaxtheorie als auch Pinker als ein wenig anstrengend empfinde, habe aber vor ewigen Zeiten „Women, fire and dangerous things“ gelesen. Grundkenntnisse muss man ohne Zweifel haben, aber damit sollte es bei mir auch schon wieder gut gewesen sein. Die große Liebe zwischen Syntax und mir wird es wohl nie werden.
    Und vielen Dank für Gratulation und Glückwünsche, wie nett von Dir!

  7. 2009 Juli 23
    wilfried Permalink

    Vielleicht kannst du es mal mit regenerativer Grammatik versuchen – vor allem bei der bestehenden Affinität zu Köln, z.B.
    Syn-Thrax, Dr. med. Dyonysius. Warum die Konzepte “Fünfgangmenu” und “Weinprobe” angeboren sein müssen. Erste Früchte und Erträge der regenerativen Grammatik, geerntet und eingefahren von Dr. med. Dyonysius Syn-Thrax. Preisschrift des Kölner Langustenvereins. Köln: Bacchus-Verlag.

  8. 2009 Juli 29
    wilfried Permalink

    Ein kleiner Beitrag zur post-magistralen Pause (with tongue in cheek, of course):
    Gemeinhin gelten Grammatiken und Werke zu ihrer Theorie als scharfe Konkurrenten der Telefonbücher im Hinblick auf den Unterhaltungswert. Dabei wird oft übersehen, welche Ungeheure Dramatik und Tiefe Tragik in dieser Disziplin möglich ist. Als Beispiel sei nur das folgende Werk genannt:

    Greuli, Terro. (In letzter Minute.) Vergleichende Grammatik der Sprachen Panikstans. Mit kurzen Einführungen in das Hektische, Panische, Chaotische, Krisische und Alt-Infarktische. Furchtwang: Trauma & Tröster.

    A propos Pause. – Auch hier bietet die fortgeschrittene Literatur Unerhörtes, sozusagen. Ein Standardwerk wäre:

    Schweiger, Serenus. Einsilbler und Einsiedler. Die deutsche Pausendichtung und ihre historischen Schwundformen. Eremiten-Verlag, o.O., Erscheinen abgesagt.

    Mit den besten Wünschen und Empfehlungen …

  9. 2009 September 4
    wilfried Permalink

    Und?
    Wie stellt sich die post-magistrale Gesamtsituation – nachdem doch einige Zeit verstrichen ist (tut sie überhaupt etwas anderes als verstreichen, die Zeit?) – inzwischen dar?

    Linguistika lustika? – Oder mehr linguistica seriosa? Vielleicht auch linguistica sperantia … ?

  10. 2009 September 7
    Scholli Permalink

    Oh, alles wunderbar! Danke der Nachfrage! ;-)

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